Achse 3: Komponenten
Überblick
Das GCBoK definiert sechs Kernkomponenten des GitCover-Stacks:
GCDMS - GitCover Document Management System
Evidenz- und Dokumentenmanagementsystem auf Basis von .v7g.md-Containern und -Metadaten. Toolchain: v7g-pack, v7g-verify, v7g-sign, v7g-export.
GCPN - GitCover PrimaNota
Metadaten-Mechanismus zur Bildung revisionssicherer Nachweisketten (Vorgänger/Nachfolger) für Geschäftsdokumente. Der historische Begriff PrimaNota bezeichnet einen Ordnungsschlüssel, der einem Geschäftsvorfall - z.B. einem Buchungssatz der doppelten Buchführung oder einem mehrteiligen Buchungsvorgang (Forderung, Mehrwertsteuer, Kostenstelle/Kostenträger-Aufteilung) - einen eindeutigen Key für Zusammengehörigkeit zuweist. GCPN überträgt dieses Prinzip auf UUIDv7-Basis: Jedes Dokument erhält einen zeitgeordneten Identifier (RFC 9562) und wird über Predecessor/Successor-Referenzen mit seinen Vorgänger- und Nachfolger-Dokumenten verkettet.
Die Verkettung erfolgt nicht-chronologisch: Ein später erfasstes Dokument kann als Vorgänger (Predecessor-Insert) in eine bestehende Kette eingefügt werden - entscheidend für GoBD Rz. 80 (progressive und retrograde Prüfung). Match-Key-Felder (Bestellnummer, Debitor, Bruttobetrag etc.) ermöglichen automatische Kettenassoziation ohne manuelle Zuordnung.
Das Container-Format .v7g.md kombiniert menschenlesbare Metadaten (YAML + Markdown) mit maschinenverarbeitbaren Geschäftsdaten (eingebettetes JSON) und wird in Git-Repositories gespeichert, deren Commit-Hash als kryptographischer Integritätsnachweis dient.
Anwendungsgebiete über die Buchhaltung hinaus: DSGVO-Verarbeitungsverzeichnisse (Art. 30), NIS2-Incident-Ketten, MADR-Architekturentscheidungen, OIDC/OAuth-Token-Lifecycle, OSCAL-Assessment-Results.
GCPN-Signatur-Container (.gcpn.md) — Vorgangsbegleitung statt Einzeldateien
Für Signatur-Vorgänge konkretisiert sich GCPN als eigenständiges
Prozess-Ur-Doc: Eine .gcpn.md-Datei neben dem Referenced-Doc
(Namenskonvention <Referenced-Doc-Basisname>.gcpn.md) begleitet den
Vorgang der Entstehung und Zeichnung — sie ist nicht das Sidecar des
Referenced-Docs, sondern der Prozess-Container.
Wesentliche Konzeption:
- Mutable Doc, immutable JSON-Artefakte: Das Container-MD wird für jeden
neuen Prozessschritt ergänzt; die bereits eingebetteten JSON-Artefakte
(Schema
gcpn-container-1.0:referenced_doc,actor,retentionje einmal beschrieben;eventsals Flags-Enum mitevents_result-Bitmask, z. B. 11 = offered + accepted + sign;summary) bleiben unverändert. - Revisionssicherheit durch Git: Die Container-Historie (welche Schritte wann ergänzt wurden) liegt in der Git-Historie des Repos — der Commit-Hash dient als kryptographischer Integritätsnachweis.
- Kein JSON-Bloat: JSON-Artefakte sind immer eingebettet (MD-Fence)
— keine eigenständigen
.json-Dateien im Repo-Baum. - GCDMS-Index-Funktion: Im optional angedockten DMS dient der Container als Index — Prozess-Navigation zu den Einzel-Docs und zur Prozessbeschreibung, statt n8n oder ähnlichen Workflow-Engines.
- Immutable-Übergang: Ein signiertes Referenced-Doc wird danach immutable; der Container bleibt mutable und dokumentiert den Prozess weiter (Git- Historie = Nachweis).
Erstverwendung: GVB-Zeichnung mit Facsimile-Signatur (Teil I der Digitales Signieren, DS02–DS05).
Gebrauchsmuster-Schutz: Az 20 2026 000 272.7 - in Kraft. Geschützter Gegenstand: Container-Datenstruktur zur UUIDv7-basierten, revisionssicheren Geschäftsdokumentenverwaltung mit dynamischer Predecessor/Successor-Verkettung. Patentanmeldung eingereicht (47 Ansprüche).
GCUCB - GitCover Unified Communication Bus
Kontext-Bus für die Runtime-Koordination zwischen KI-Agenten, Policy-Validatoren und Audit-Systemen — mit deterministischer V7GUID-Adressierung der Kontextobjekte. GCUCB adressiert das Koordinations-Overhead-Problem mehrstufiger Agenten-Workflows (Serialisierungs- und Token-Kosten der Kontextübergabe) durch einen typisierten, direkt adressierbaren Bus statt textbasierter Zwischenschichten.
OPA/Rego fungiert als deterministische Guardrail-Ebene: Politik-Prüfung entsteht durch Regelwerk, nicht durch Prompt-Engineering.
Die Schutzrechtslage (Gebrauchsmuster, DPMA-Einreichung 260909) ist verankert; konkrete Architektur- und Verfahrensmerkmale sind in den Anmeldeunterlagen beschrieben und werden hier bis zur Veröffentlichung nur in allgemeiner Form dargestellt.
Abgrenzung
| Komponente | Schicht | Abgrenzung zu GCUCB |
|---|---|---|
| GCEP | Persistenz (Git-to-Git) | Instanz-zu-Instanz; GCUCB = Runtime-Bus |
| GCSYNC | Outbound (Git -> RAG) | Externer Kanal; GCUCB = interner Bus |
| GCPN | Verkettungs-Logik | Nachweisketten (Vorgänger/Nachfolger); GCUCB = Transport/Zugriff |
Marktkontext: „Ontology" ist nicht GCUCB
Der Markt adressiert derzeit dieselbe Grundproblematik — Agenten brauchen konsistenten, maschinenlesbaren Unternehmens-Context — unter dem Begriff „Ontology": Microsoft etwa liefert mit „Fabric IQ" (Preview) eine „governed, self-service knowledge graph" als semantische Schicht, die Agenten als „shared context layer" konsumieren (Entity types, Relationships, GQL-Graph, OneLake-Bindings). Das ist eine Daten- und Semantikschicht, keine Laufzeit-Transportarchitektur.
GCUCB greift dieselbe Problematik auf der Transport- und Zugriffsebene an: typisierte Kontextobjekte, deterministische V7GUID-Adressierung, Evidenz- und Policy-Kopplung zur Laufzeit. Die saubere Begriffstrennung ist bewusst: Eine Ontologie beschreibt, was die Begriffe bedeuten (bei GitCover: die L1–L6-Dictionaries, siehe Konzepte: Business-Hierarchie als Ontologie); GCUCB bestimmt, wie Agenten, Validatoren und Audit-Systeme zur Laufzeit darauf zugreifen. Beide Ebenen ergänzen sich — GCUCB ist kein Ontologie-Produkt, und die Ontologie braucht keinen Plattform-Graph, wenn sie Git-nativ im Repo lebt.
GCEP - GitCover Exchange Protocol
Instanz-zu-Instanz-Austauschprotokoll zwischen Git-Repos auf unterschiedlichen Trägern. Semantisch determiniert durch OSCAL-Kataloge und OPA-definierte Hooks/Callbacks.
IETF-Track geplant (I-D, Kurzform: gcep). Patentanmeldung: 10 2025 003 359.1.
Protokoll-Ebenen: ACP, MCP und GCEP
GCEP darf nicht mit den KI-Agenten-Protokollen verwechselt werden. Alle drei lösen unterschiedliche Probleme auf unterschiedlichen Ebenen:
(z. B. VS Code)"] -->|"Agent Client Protocol (ACP)"| B["Logik-Ebene / KI-Agent"] B -->|"Model Context Protocol (MCP)"| C["Infrastruktur- & Daten-Ebene"] C -->|"GitCover Exchange Protocol (GCEP)
mit Advisory Locks"| D["Verteilte Git-Server / VCS"] style A fill:#bbdefb style B fill:#c8e6c9 style C fill:#ffe0b2 style D fill:#f8bbd0
| Ebene | Protokoll | Richtung | Zweck |
|---|---|---|---|
| UI-Brücke | ACP (Agent Client Protocol) | UI ↔ Agent | Verbindet Benutzeroberfläche (z. B. VS Code) mit der Agenten-Logik |
| KI-Kontext-Brücke | MCP (Model Context Protocol) | Agent ↔ Daten | Strukturierter Zugriff des Agenten auf Datenquellen (Dokumente, Tools) |
| Repository-Ebene | GCEP | Server ↔ Server | Replikation, Synchronisation und Sicherung des Zustands zwischen physischen Git-Instanzen |
Die Kombination ist für das Management hochrelevant: Der Agent arbeitet über ACP/MCP in hoher Geschwindigkeit; GCEP sichert auf der darunterliegenden Repository-Ebene, dass Commit- und Synchronisationspfade konsistent bleiben.
Advisory Locks im KI-Zeitalter
Autonome KI-Agenten erzeugen Schreibzugriffe in hoher Frequenz. Ohne Sperrprotokoll auf Git-Ebene können zwei parallel agierende Agenten - oder ein Agent und ein menschlicher Sachbearbeiter - dieselben Repositories gleichzeitig modifizieren und inkonsistente Zustände erzeugen (Race Conditions).
| Aspekt | Advisory Lock | Mandatory Lock |
|---|---|---|
| Wirkmechanismus | Prozesse prüfen den Sperrstatus freiwillig vor dem Schreiben | Betriebssystem erzwingt die Sperre hart |
| Verhalten bei Timeout | Agent kann strategisch reagieren: Subgoal verschieben, UI-Benachrichtigung ausgeben | Oft tote Systemzustände (Deadlocks) |
| Eignung für KI-Agenten | Hoch - Agent fragt Sperrstatus vorab ab (z. B. über einen MCP-Git-Server) | Gering - blockiert Agenten-Pipeline |
Ein KI-Agent kann den GCEP-Sperrstatus vorab abfragen ("Ist dieses Repository für eine andere Betriebsstätte gesperrt?") und seine Planung entsprechend anpassen - statt hart zu blockieren.
GCAL - GitCover Advisory Lock
Distributed-Lock-Mechanismus zwischen Git-Repos - analog zum PostgreSQL Advisory Lock, jedoch auf Repo-Ebene. Voraussetzung für GCEP: Bevor zwei Instanzen Daten austauschen, muss ein Lock atomare Übergabe sicherstellen.
GCSYNC - GitCover Sync
Outbound-Kanal von GitCover heraus in andere Datenhaltungssysteme. Stellt Daten für RAG-Systeme, MCP-Server und Nextcloud Shares bereit.
Siehe auch: Schutzrechte und Patentstatus in Schutzrechte. Forschungsanerkennung in Forschungsvorhaben.