ED12 - GoBD und Transparenzregister: die wB-Ermittlung dokumentieren

Problem

Die Meldung beim Transparenzregister (ED17) ist nur die Spitze des Eisbergs. Darunter liegt ein Pflichten-Cluster, der bei Prüfungen und Unstimmigkeitsverfahren (§ 23a GwG) entscheidend ist - und der ohne Dokumentation nicht erfüllbar ist:

Kernaussage

Die wB-Ermittlung ist ein dokumentationspflichtiger Prozess - und damit ein GoBD-Fall, der ins Git-Repo gehört:

  1. Vier Pflichten je Vereinigung (§ 20 Abs. 1 GwG): Angaben zu den wirtschaftlich Berechtigten einholen, aufbewahren, auf aktuellem Stand halten und der registerführenden Stelle unverzüglich mitteilen. Drei der vier sind reine Dokumentationspflichten.
  2. Nachforschungspflicht (§ 20 Abs. 3a GwG): Ohne Angaben der Anteilseigner muss die Gesellschaft Auskunftsersuchen an diese richten - in angemessenem Umfang - und Ersuchen und eingegangene Informationen dokumentieren. Das Dokument ist der Beweis der Pflichterfüllung.
  3. Angabepflicht (§ 20 Abs. 3 GwG): Die wB und die von ihnen unmittelbar kontrollierten Anteilseigner müssen Angaben machen und Änderungen unverzüglich mitteilen. Die Gesellschaft dokumentiert den Eingang als Artefakt (Absender, Inhalt, Eingangszeit) - im Streitfall ist das der Nachweis, dass die Angabepflicht erfüllt wurde oder dass die Gesellschaft nachfassen musste.
  4. Aufbewahrung: Die Angaben zu wB sind aufzubewahren - GoBD-Konform heißt hier: versioniert, unveränderbar nachvollziehbar, mit Belegreferenzen. Git mit SHA-256-Referenzen leistet das strukturell (ED08, ED09).
  5. Historie: Jede Ermittlung ist ein neues Artefakt - nichts wird überschrieben. Obsoleszenz-Tracking (superseded_by) verbindet die Generationen: Ermittlung 2026-09 (Kette A) → Ermittlung 2027-03 (Kette B, nach Share Deal) → jeweils mit vollständiger Quellreferenz.

Compliance by Design: Das Ermittlungs-Artefakt wird vor der Meldung erzeugt (Schema-First) und von der Meldung referenziert - nicht umgekehrt. Damit ist die Meldung jederzeit auf ihre Grundlage rückführbar: Meldungs-Vorgangsnummer → wb_ermittlung.json → Gesellschaftsvertrag/Gesellschafterliste (SHA-256). Retrograde Nachverfolgbarkeit (ED03) angewandt auf das GwG.

Der Ermittlungsprozess als Kette

%%{init: {'theme':'base','themeVariables':{'primaryColor':'#FBFAF7','primaryTextColor':'#0F1B33','primaryBorderColor':'#6B7280','lineColor':'6B7280'}}}%% flowchart TD TRIGGER["Auslöser
(Gründung, Share Deal,
Kapitalerhöhung, GF-Wechsel)"] TRIGGER --> COLLECT["Angaben einholen
(§ 20 Abs. 3 GwG)
von Anteilseignern"] COLLECT -->|Angaben fehlen| ASK["Auskunftsersuchen
(§ 20 Abs. 3a GwG)
dokumentieren"] COLLECT -->|Angaben liegen vor| ANALYSE ASK -->|Antwort| ANALYSE["Kaskaden-Analyse
Kette prüfen, > 25 % / > 50 %
Schwellen bewerten"] ASK -->|keine Antwort| FIKTION["Fiktion prüfen
(§ 3 Abs. 2 S. 5 GwG)
Begründung dokumentieren"] ANALYSE --> FIKTION ANALYSE --> ERGEBNIS["Ergebnis:
wb_ermittlung.json
+ Sidecars"] FIKTION --> ERGEBNIS ERGEBNIS --> MELDUNG["Meldung vorbereiten
(→ ED17)
Gültigkeitsdatum ab Konstellation"] ERGEBNIS --> AUFBEWAHRUNG["Aufbewahrung +
Aktualhaltung
(Obsoleszenz-Tracking)"] style TRIGGER fill:#FDBA74,stroke:#C2410C,color:#0F1B33 style COLLECT fill:#DBEAFE,stroke:#1D4ED8,color:#0F1B33 style ASK fill:#DBEAFE,stroke:#1D4ED8,color:#0F1B33 style ANALYSE fill:#DBEAFE,stroke:#1D4ED8,color:#0F1B33 style FIKTION fill:#FDBA74,stroke:#C2410C,color:#0F1B33 style ERGEBNIS fill:#D1FAE5,stroke:#0A7F5C,color:#0F1B33 style MELDUNG fill:#0F1B33,stroke:#0F1B33,color:#FBFAF7 style AUFBEWAHRUNG fill:#D1FAE5,stroke:#0A7F5C,color:#0F1B33

Das Ermittlungs-Artefakt (Schema-First)

{
  "$schema": "https://gitcover.org/schemas/wb-ermittlung-1.0.schema.json",
  "V7GUID": "WB_ERMITTLUNG",
  "uuidV7": "01a065f3-dbbd-7000-8000-000000000001",
  "tenant": "ORG-1",
  "ermittelt_von": { "person": "E1", "role": "GF" },
  "anlass": {
    "typ": "gruendung",
    "datum": "260901",
    "belege": [
      { "art": "gesellschaftsvertrag", "sha256": "…" },
      { "art": "gesellschafterliste", "sha256": "…" }
    ]
  },
  "kette": [
    { "stufe": 1, "inhaber": "ORG-5", "art": "kapital", "anteil_prozent": 100,
      "typ": "koerperschaft", "beholderrschung_ab": "100 %" }
  ],
  "ergebnis": [
    { "person": "E1", "typ": "mittelbar", "art_interesse": "mittelbare Kontrolle über ORG-5",
      "umfang": "100 % an ORG-5", "gueltig_ab": "260901" }
  ],
  "fiktion": null,
  "angabepflicht_eingaenge": [
    { "person": "E1", "art": "angaben_wb", "eingang": "260902",
      "sha256": "…", "dokument": "angaben_e1_org1.json" }
  ],
  "auskunftsersuchen": [],
  "obsolescence": { "status": "active", "superseded_by": null, "superseded_at": null }
}

Kein datetime-Feld: Auch hier steckt die Erfassungszeit in der uuidV7 (ED03). Datumsangaben im Inhalt (gueltig_ab, eingang) sind Fachdaten der Ermittlung (Gültigkeit der Konstellation, Eingangsdatum einer Angabe) - keine Erfassungszeit des Artefakts.

Was passiert bei Änderungen

Auslöser Folgearbeit im Repo Meldung
Share Deal / Anteilsübertragung Neue wb_ermittlung.json, alte erhält superseded_by Änderungsmeldung als Folgeauftrag (nicht Berichtigung!)
Kapitalerhöhung (Schwellenwert berührt) Neue Ermittlung (Schwellen neu bewertet) Folgeauftrag
GF-Wechsel bei fiktivem wB Neue Fiktion dokumentieren Folgeauftrag (neuer Vertreter)
Umzug / Namensänderung eines wB Angabepflicht-Eingang dokumentieren Folgeauftrag (geänderte Personendaten)
Stimmbindungs-/Poolvertrag Neue Ermittlung ("vergleichbare Kontrolle" prüfen) Folgeauftrag

Falle "Berichtigung": Änderungen werden im Transparenzregister als Folgeauftrag eingereicht - ein Berichtigungsauftrag würde den aktuellen Eintrag überschreiben statt zeitlich zu ergänzen. Genau deshalb ist die Historie im Repo so wichtig: Das Register zeigt eine zeitliche Folge, das Repo die zugehörigen Ermittlungs-Generationen.

Retrograde/progressive Nachverfolgbarkeit (GwG-Ausprägung)

Richtung Start Auflösung über Ziel
Retrograd Meldungs-Vorgangsnummer Tagebucheintrag → wb_ermittlung.json → SHA-256 Gesellschaftsvertrag, Gesellschafterliste
Progressiv HR-Auszug (neue Konstellation) Neue Ermittlung → Änderungsmeldung Aktualisierter Registereintrag

GoBD-Bezug: Nachvollziehbarkeit (Rz. 146) und Prüfbarkeit (Rz. 147) des GwG-Prozesses. Ein Prüfer - ob Aufsichtsbehörde oder Unstimmigkeits-Verfahren (ED18) - kann ohne Rückfrage die Kette Meldung → Ermittlung → Beleg abarbeiten.

Risiko-Leverage

Heute (cheap) Morgen (revisionssicher) Risiko gemindert
Ermittlung als JSON mit Beleg-SHA-256 Ermittlung lückenlos nachvollziehbar Bußgeld "nicht ermittelt / nicht dokumentiert"
Auskunftsersuchen als Artefakte Nachforschungspflicht nachweisbar erfüllt Bußgeld "Nachforschung unterlassen"
Angabepflicht-Eingänge mit Sidecar Streit über Angaben entkräftet Beweislast-Problematik
Obsoleszenz-Generationen statt Überschreiben Lückenlose Historie seit 10/2017 bzw. Gründung Nachforderung früher Konstellationen
Meldung referenziert Ermittlung Meldung jederzeit rückführbar Unstimmigkeits-Auflösung ohne Aufwand

Harness-Anforderung (Vorschau)

ID Anforderung Priorität
FA-12.1 Schema wb-ermittlung-1.0 (Ermittlung, Kette, Ergebnis, Fiktion) MUST
FA-12.2 Auskunftsersuchen (§ 20 Abs. 3a GwG) als dokumentierte Artefakte MUST
FA-12.3 Angabepflicht-Eingänge mit SHA-256-Referenz MUST
FA-12.4 Obsoleszenz-Tracking je Ermittlungs-Generation MUST
FA-12.5 Trigger-Regel: Auslöser → Ermittlung → Meldung (Pre-Receive-Hook prüft Kette) SHOULD

Die vollständige Anforderungsliste in Harness-Anforderungen.md.

Quellen

Rolle Ort Zweck
Primary / SSoT git.gitcover.org/GCC Kanonische Ablage (GPG-signiert, versioniert)
Public OSS Mirror / CDN codeberg.org/gitcover-commons Read-only-Spiegel; FLOSS-Discovery
Community Hub github.com/gitcover-commons Issues & Discussions; Quell-Code-Referenz auf Codeberg

Hinweis: Diese Zuordnung von Quellen, Mirror und Community-Hub spiegelt den aktuellen Stand wider und kann sich ändern. Bitte prüfen Sie die jeweilige kanonische Quelle auf gitcover.org für den aktuellen Zustand.