Teil I — Textform
Auslöser S1/S2: Eine GVB soll in Textform gefasst werden; danach fragt ein Prüfer nach der Authentizität. Teil I legt die Dokument-Ebene: MD-Doc
- JSON-Artefakte im Repo, ohne externe Signaturdienste.
Übersicht der Artikel (DS01–DS05)
| Art. | Titel (DE) | Kernfrage |
|---|---|---|
| DS01 | Das Textform-Erfordernis und die freie Beweiswürdigung | Was verlangt § 126b BGB wirklich — und was genügt bei freier Beweiswürdigung? |
| DS02 | Der Signatur-Doc als Datentyp (JSON-Schema) | Wie beschreiben wir "Signatur" als maschinenlesbares Artefakt im Repo? |
| DS03 | Der Signatur-Vorgang (Accept/Deny/Sign) | Wie wird ein Signier-Vorgang deterministisch und revisionssicher dokumentiert? |
| DS04 | Sidecar-Katalogisierung und Verifikationskette | Wie prüft ein Prüfer Authentizität und Integrität — ohne Git-Historie zu lesen? |
| DS05 | Der GCPN-Signatur-Container | Wie docken wir alle Artefakte (Quell-Dokument, FES-Doc, Vorgang) an ein MD-Dokument an? |
Die Grundidee: Signaturen als Repo-Artefakte
Ein Dokument im GitCover-System ist keine Datei, sondern ein Artefakt-Set:
die MD-Datei (Quell-Dokument), ein Sidecar (.v7g.md, SHA-256 + V7GUID-Katalogisierung),
bei Geschäftsvorfällen ein GCPN-Container. Genau an dieses Muster dockt die
Signatur an:
Quell-Dokument (MD) .v7g.md Sidecar GCPN-Container
│ │ │
│ sha256 │ sha256(Quell-Dokument) │ referenziert alle
│ │ V7GUID │ Artefakte des Vorgangs
▼ ▼ ▼
Signatur-Doc (JSON) ──── Accept/Sign-Event ──────── GCPN-Signatur-Container
Jedes Artefakt folgt einem JSON-Schema (Schema-First-Regel des GCBoK),
jede Beziehung ist ein SHA-256-Verweis, jeder Vorgang ist ein deterministisch
beschreibbarer Event. Ein Prüfer kann mit sha256sum und jq die gesamte
Kette verifizieren — ohne Git-Historie, ohne proprietäre Tools.
Warum kein DocuSign von Anfang an?
Drei Gründe gegen die premature Anbindung externer Signaturdienste:
- Kosten & Reibung: Der Großteil der Alltagsdokumente eines KMU (GVB, interne Verfahrensdokumentationen, Quittungen) braucht keine qualifizierte Signatur — Textform genügt (§ 126b BGB: "kann durch Textform ersetzt werden").
- Nachweisbrüche: Jeder externe Dienst erzeugt seine eigene Historie (Envelope-IDs, Audit-Trails in der Cloud des Anbieters). Die Nachweiskette verlässt das Repo — genau dort, wo GitCover GoBD Revisionssicherheit verspricht.
- Drittel-Schwelle der Beweiskraft: Bei freier Beweiswürdigung (§ 286 ZPO) trägt eine gut dokumentierte interne Kette (SHA-256-Kette + Zeitstempel + identifizierte Zeichner-Rolle) oft mehr Gewicht als ein "Signatur-Bon" eines Anbieters, dessen Verfahren nicht offengelegt ist.
Die FES-Anbindung (Teil II) kommt genau dann ins Spiel, wenn ein externer Vertragspartner sie verlangt — nicht als Selbstzweck.
Rechtlicher Rahmen (Kurzzitat)
| Norm | Aussage | GitCover-Deutung |
|---|---|---|
| § 126b BGB | Textform: "diejenige Form der elektronischen Übermittlung, mit der das Dokument für andere zugänglich gemacht und zur Wiedergabe als Wortlaut auf einem Bildschirm geeignet ist" | MD-Datei im Repo ist als Wortlaut wiedergabefähig; der Signatur-Doc macht den Willen identifizierbar |
| § 371a ZPO | Private Urkunden mit eS gelten als ordnungsgemäß unterschrieben, "wenn die Ausstellerin oder der Aussteller ihren Namen beifügt" | Der Name im Signatur-Doc + Schlüssel-/Grafikverweis erfüllt die Namensbeifügung |
| eIDAS-VO Art. 50–51 | Fortgeschrittene eS (AdES/AdEE), qualifizierte eS (QES) | Teil II: FES-Andock als Stufe über der Textform |
| § 286 ZPO | Freie Beweiswürdigung | Die interne Kette (SHA-256 + Zeit + Rollen) ist ein vollwertiges Beweismittel |
Disclaimer: Kein Rechtsrat. Die Bewertung im Einzelfall bleibt der freien Beweiswürdigung und ggf. anwaltlicher Beratung überlassen.
Lese-Reihenfolge
Die Artikel bauen aufeinander auf:
- DS01 — Warum Textform genügt und was "ausreichend" bei freier Beweiswürdigung bedeutet.
- DS02 — Das JSON-Schema des Signatur-Docs (Datentyp "Signatur" im Filesystem).
- DS03 — Der Signatur-Vorgang als Event-Schema (Accept/Deny/Sign).
- DS04 — Sidecar-Verifikation: Wie der Prüfer die Kette prüft.
- DS05 — Der GCPN-Signatur-Container: Quell-Dokument + FES-Doc + Vorgang in einem Artefakt.
Erstellt: 260913 | Teil I der Serie digital-signage